In der Zeit als HORST jung gewesen ist waren andere „Schulen“ angesagt. Doch sofort ging seine Orientierung andere Wege. Mehr ins Wirkliche, Malerische und Spontane. Er fühlte sich nirgends zugehörig und arbeitete ungestüm, originell und unzweifelhaft überzeugt.

Auf die anfänglichen Besonderheiten ist HORST seitdem so geworden, wie man ihn jetzt sehen und erleben kann. Einige dominierende Themen und Formen. Und die Köpfe und Kopffüßler. Mit diesem allen stellt er sich gegen die Mal-Moden, zwar noch mit figürlichen Darstellungen, aber stets bemüht auf nicht übliche Art zeitgemäß aktuell zu sein.

So sind alle seine Werke zeitgenössisch und eigentümlich zugleich, mit einer wohlgelungen Gestaltung von Gestalten mit Brisanz die anregt. Immer wieder ist von einem Menschbild der Gegenwart die Rede. Das gesamte Werk dokumentiert seine Aussagen ohne geschwätzig zu sein mit viel Vitalität und teilweise gedanklicher Robustheit. Der „Belanglosigkeit in der Geläufigkeit“ des Abstraktivismus widersetzt sich sein Werk.

Es wird nicht möglich sein, die Spur, die HORST zieht zu vernachlässigen. „Bequem“ ist sein Eigensinn dabei jedoch nicht.

Unterschiedlichsten ausdifferenzierten Antrieben und Interessen verdanken wir die Kunst von HORST. Verschiedenste Medien werden zur Realisierung verwendet. Ein besonderer Reiz ist immer wieder Gegensätze zu komprimieren und den Blickwinkel über die Grenzen von Gattungen hinweg zu tragen.

Parallel zur Malerei entsteht so ein Werk mit erstaunlichem Umfang. Es äußert sich ein spezielles plastischen Interesse, daß dabei weniger dem einzelnen Objekt selbst sondern den Dialog mit dem Betrachter und dem ausgelösten Prozeß bei der Bewegung verfolgt. Unterschiedliche Lichtsituationen und das Umkreisen der Objekte erzeugen die Sehvorgänge um die es HORST geht.

Sind seine Bilder und Kollagen schon alleine ein sinnlich, räumliches Erlebnis, so überhöhen dies die Skulpturen in einer teilweise ikonographisch abweisenden Art. Die Malerei auf der Fläche aufnehmend fordernd erschließt sich die Dreidimensionalität. Seine Figuren verlangen nach der Gegenwart. Erhoben in die imaginären Räume sind sie wandlungs- und lebensfähig. Sie bieten dem Betrachter aus der Distanz und Nähe mit beweglichen Elementen plastische Transformationen und regen den Tastsinn an.

Als alter ego von HORST übertragen die Figuren etwas von der Haltung der Kopffüßler auf den Betrachter. In vorgerückter Position treten beispielhafte Situationen in den Rahmen. Fast schon heimlich kommen dann Zeichen, Symbole und Zahlen ins Spiel.

Figuren in reinem Profil, anfänglich ausschließlich plastisch ausgebildet, teilweise handelnd oder mit Gesten der Mitteilung, verändern sich mit der Zeit zu passiv zusammengeschrumpften Umrissen. Die Gestalt zieht sich scheinbar auf sich selbst zurück. Figur und Raum können in einen Dialog treten und im Wechselspiel verlangen sie nach sinnlicher Nähe.

In seinem Atelier begegnen sich Zeichnungen, Schilder, Steine, Knochen, Strassenschilder, Materialien aller Art und Zeugnisse „anderer primitiver“ Kulturen so zwanglos und fern jeder speziellen Inszenierung, das sofort klar wird, daß der Maler nicht vom Gestallter und nicht vom im Dreidimensionalen Arbeitenden zu trennen ist – der Alltag nicht vom Mythos zu trennen ist.

Der Wunsch nach essentieller Verdichtung mag eine Rolle gespielt haben wenn HORST dazu übergeht Motive aus der Malerei in Skulpturen zu übertragen. Die zentralen Themen sollen sich verändernden räumlichen Erfahrungen ausgesetzt werden können und lebendig gehalten werden. Die mitunter erprobenden Arbeiten zeigen deutlich, das er vollkommen unbelastet von dogmatischen bildhauerischen Regeln und Verfahren fähig ist Ausdehnung herzustellen.

Die räumliche Darstellung, Material und Farbwahl hängen damit zusammen, das der Körper zunächst nur unkörperlich, nur im Auge des Betrachters existiert. Doch mag sie dann die räumliche Phantasie anzuregen. Die Multiples sind jeweils mit zwei schmalen und zwei breiten Ansichtsseiten angelegt. Sie vermitteln nichts unfertiges, schnell produziertes. Sie sind die definitive Vorstellung der Figur. Anfänglich überwiegt vielleicht der Werkstoff und die Bemalung der Variationen, so verwandelt sich dann doch die plastische Form mit der Zeit unbegreiflich in flächige Erscheinungsbilder.

Die Reduktion des Volumens auf die Ebene hat mit der Vorstellung zu tun, daß Objekte nicht von allen Seiten aktiv sein müssen. So vermindert sich die Skulptur je nach Flächenansicht (z.b. bei den Pferden) bis zur totalen Auflösung in einen Strich, wenn man von der Schmalseite drauf blickt. Das eigentlich plastische Prinzip ist die Bewegung um das Objekt. Das damit stattfindende Auftauchen und Verschwinden der Darstellung könnte den Kreislauf des Lebens nicht deutlicher symbolisieren.

Diese schönen und klaren Formen von klassischer Strenge und Schönheit fordern zum Sinnieren auf. Es geht nicht um die Richtigkeit. Es geht um tiefe Wahrheit. Von daher ist alles mit mythischem Denken und dem Erinnern verbunden. Die Verwandlung im Raum, das Auftauchen und Verschwinden läßt sich die Kunstwerke scheinplastisch erweitern.

Seine Figuren sind in Ihrer Farbigkeit von explodierender Kraft. Sie emanzipieren sich immer mehr aus der Malerei und folgen eigenen Gesetze. Letztendlich wird der „Kopffüßler“ geboren.

Seit jeher sind Köpfe das Thema in der Kunst. Der althochdeutsche Wortstamm ist weniger inhaltlich als formal zu verstehen. Er entstand aus dem lateinischen cuppa für Schale. Die Köpfe von HORST sind ebenfalls reine Auffangbehälter.

Im normalen Sprachgebrauch wird dem Kopf eine wichtige Rolle zugewiesen: Der Kopf steht für den ganzen Menschen; Man steckt die Köpfe zusammen; es gibt ein Kopf an Kopf Rennen; Man setzt einen Preis auf einen Kopf aus; Man zerbricht sich den Kopf; Mancher hat einen Dickkopf und anderen hat es den Kopf verdreht. Kopf heißt das obere Ende eines Nagels oder Briefbogens, einer Zeitung. Auch der Salat hat einen Kopf. Bei den Noten denkt man schon gar nicht mehr dran, so viele sind es. So kann man sich jetzt mit Genuß und unendlich kopfüber in alle Formen der Köpfe stürzen.

Die Kopffüßler von HORST sind nicht die hoch entwickelten Geschöpfe aus dem Tierreich, sondern eher geheimnisvoll umwitterte Erscheinungen die meist androgyn nur aus Kopf und Fuß bestehen. So reduziert rufen sie Erfurcht hervor und nehmen die reinen Kopfdarstellungen vorweg.

Es bleibt also spannend.